Faschisten gegen HaSi

Das Paulusviertel in Halle ist vieles. Vor ein paar Jahren wurde es noch als Studentenviertel gepriesen, mittlerweile sind die Student*innen von damals die Bioladen-Eltern von heute und die abgeranzten WGs zu teuren, kernsanierten Altbauten geworden. Die allgemeine Stimmung ist derart bürgerlich links-grün, dass das Netzwerk der Neuen Rechten glaubte, genau dort ihr Feindbild erkannt zu haben. Die Standortwahl für ihr faschistisches „Hausprojekt“, eine Straße vom Paulusviertel entfernt, war von Anfang an auch als Provokation gedacht. Seit diesem Jahr findet sich nun auch am anderen Ende des Paulusviertels eine Institution, die deutlich mehr in das Profil des Viertels passt. Mit Unterstützung der Stadt Halle ist das soziokulturelle Zentrum formerly known as HaSi in die Nähe des S-Bahnhofs Zoo gezogen und residiert nun fernab von aller Nachbarschaft am Fuße des Galgenbergs.

Und plötzlich ist sie da, die Bürgerbewegung gegen das neue Hausprojekt, welches als „Extremistenzentrum“ bezeichnet wird. Man habe Angst, vor Lärm, Diebstählen aus Gärten und Gewalt. Bis auf gebetesmühlenartig die Worte „Hasi“, „linksextrem“ und „Bürgermeister“ zu wiederholen, fehlt es jedoch an Argumenten. Und offenbar auch an Interessierten. Seit Februar existiert die Facebook-Seite, seitdem hat sie 34 (Stand: 14.05.2019) Likes. Dennoch findet sich neben einem Duktus der sowohl den Identitären als auch Sven Liebich eigen ist (zumindest wenn er sein Fäkalien-Stakkato unter Kontrolle halten kann) die ständige Betonung des „Wir“; „Wir wurden nicht gefragt“, „Wir haben Angst“.

Aber was hat das ganze mit uns und dem Haus in der Adam-Kuckhoff-Str. zu tun? Der Versuch der Identitären, die sonst bei ihren Aktionen von ihrem Logo nie genug zu bekommen scheinen, vermeintlich subversiv Kampagnen zu gestalten, deren Urheber nicht sie selbst sein wollen, ist nicht neu. Mit der Kampagne „120db“ wollte der Männerbund mit als Feigenblatt in die erste Reihe gestellten Frauen suggerieren, sie seien „deutsche Frauen“, die erst seit der so genannten Flüchtlingskrise Opfer sexualisierter Gewalt seien. Oder letztes Jahr, vor den StuRa-Wahlen, als plötzlich Plakate mit dem Hashtag #notmystura auftauchten, die reißerisch aufgemacht die öffentlich zugänglichen Informationen zu den Ausgaben des StuRas als vorgebliches „Leak“ an den Wänden der Unigebäude präsentierten. Auch hier war der Ton der zugehörigen Veröffentlichungen der gleiche, in dem die Identitären sich ausdrücken. Dass einzig die Campus-Alternative, also der parlamentarische Arm der IB in der Studierendenvertretung, sich auf die Kampagne bezog und diese über den Klee lobte, ist dann die logische Konsequenz.

Es passt in diese Aufzählung, dass am Montagabend (13.05.2019) zwei Gruppen von vier bzw. drei Personen die rechtsradikale Burschenschaft Germania, welche bis 2017 Ausgangspunkt für die Aktivitäten der halleschen Identitären gewesen ist, verließen, um Flyer gegen das neue Hausprojekt in den Briefkästen der Anwohner*innen zu verteilen. Dabei war auch Andreas Karsten, Mitglied der IB und Fan von Neonazikonzerten in Ostsachsen. Doch nicht nur die Germania und die Identitären betreiben fleißig Werbung für eine Bürgerbewegung, die es nicht gibt. Schaut man sich die Liste der Likes und geteilten Beiträge der Facebookseite an, finden sich mindestens drei Accounts des Ex-Blood and Honour Schreihalses mit Napoleonkomplex, der halleschen AfD-Kandidaten für die Stadtratswahl und der üblichen Trolle aus dem Umfeld von Montagsdemo, IB und Einprozent. Letztere versuchen auch wiederholt ihre deutschlandweite Reichweite zu nutzen, um Stimmung gegen die „neue Hasi“ zu machen.

Ein Schelm, wer in der Betonung der unterstützenden Parteien der HaSi und der ständigen Erwähnung des OB wenige Wochen vor Stadtrats- und Europawahl die Beeinflussung derselben erkennen will.

Die Verwebungen von Einprozent, IB, AFD, Montagsdemo und Burschenschaften werden hier wieder einmal deutlich. Und auch wenn der Versuch eine Bürgerbewegung zu konstruieren im Gegensatz zu den Fenstern des IB-Hauses absolut durchschaubar ist, sollte sie in dem Versuch in eine Gesamtgesellschaft hineinzuwirken deutlich benannt werden. Mehr zu diesen Verbindungen und warum Burschis noch immer kacke sind, lest und hört ihr demnächst von uns.
Auf die Straße tragen wir unseren Widerspruch gegen die Rechten dann am 06.07. (save the date!).

In diesem Sinne:
Hasi bleibt!
Germania und IB-Haus abreissen!
Kick them out!

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